Auszeit anders.

Einmal im Monat spielt Kantor Ludwig Audersch an einem Freitag in der Lutherkirche nach dem Abendläuten um 19.00 Uhr Dreissig Minuten Orgelmusik zum Wochenschluss. Das ist im Moment nicht möglich. Wir wissen alle, warum.

Als kleinen Ersatz soll es von nun an wöchentlich am Freitag ein wenig Orgelmusik aus der Lutherkirche geben, verbunden mit einigen erläuternden Worten.

Da mir kein besonderes Aufnahmegerät zur Verfügung steht, wird die Tonqualität nicht berauschend sein. Umso mehr können wir uns dann aber darauf freuen, wenn wir unsere große Orgel wieder live hören dürfen.

Die Auszeitbesucher kennen meinen kleinen Zettel. Da stehen das Programm und ein Hinweis: In der linken Seitenkapelle haben Sie die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden und im stillen Gebet zu verweilen. Die Kapelle müssen Sie nun zu Hause improvisieren, ansonsten möchte der Hinweis aber weiter seine Gültigkeit behalten.

Heute hören Sie zwei Kompositionen aus dem frühen Barock und der Romantik.

 

Aus der Lüneburger Orgeltabulatur, einer Sammlung von Orgelstücken, die in der Hauptsache zwischen 1630 und 1670 angelegt wurde, erklingt eine Bearbeitung eines unbekannten Meisters zum Choral Ich ruf zu dir, Herr Jesus Christ, im EG zu finden unter der Nummer 343.

Die Lieder in unserem Gesangbuch lassen sich in vielerlei Weise eingruppieren. Zum Beispiel in Ich-Lieder und Wir-Lieder. Hier spricht mit vermutlich Johann Agricola ein Dichter aus der Zeit des Beginns der Reformation. Mit den Strophen zwei bis fünf muss ich mich jeweils anfreunden und es sind immer nur einzelne Aussagen, bei denen ich ganz überzeugt sagen kann: „Ja, Dichter, hier stimmen wir beide überein.“ Nicht so in der Strophe eins: sie hat mich in ihrer durchgehend zeitlosen Aussage schon immer fasziniert. Und kann ein guter Begleiter durch diese Wochen sein.

 

 

Elias Oechsler lebte von 1850 bis 1917, war Universitätsmusidirektor in Erlangen und ein Schüler Josef Rheinbergers. Von ihm stammt eine Choralbearbeitung zum Lutherlied Verleih uns Frieden gnädiglich, EG 421.Ein Wir-Lied. Luther greift in Text und Melodie auf Vorlagen aus dem 9. Jahrhundert zurück und Oechsler umgibt die alte Melodie mit den romantischen Klängen seiner Zeit. Und anders als es unserem gewohnten Singen entspricht, geht er, was Tempo und Lautstärke betrifft, sehr behutsam zu Werke. Und so erhalten die wichtigen Worte Martin Luthers eine, wie mir scheint, ganz besondere Eindringlichkeit.

Ich wünsche Ihnen Freude beim Hören.
Bleiben Sie behütet.

Herzlich:
Ihr Ludwig Audersch